Vercelli in Piemonte
Vercelli erhebt sich auf einem Gebiet, das eisnt von den Liguri-Volksstämmen bewohnt wurde. Es stellte in früheren Zeiten einen strategischen Punkt dar, da hier alle vorbeikamen, die die Via Francigena passierten. Der Weg führte an der Abtei Abbazia di S. Andrea (Hl. Andreas) vorbei – das Wahrzeichen der Stadt Vercelli und perfektes Beispiel für die gekonnte Verschmelzung von gotischen und romanischen Elementen, das zwischen 1219 und 1227 auf Auftrag des Kardinals Guala Bicchieri erbaut worden war. Äußerst sehenswert ist das Innere, wo man einen wertvollen Holzchor und einen der schönsten Kapitelsäle Italiens bestaunen kann, der überdies auch Schauplatz eines historischen Vorkommnisses war: Der Friede zwischen den Welfen und den Gibellinen, der unter den Augen des Kaisers Heinrich VII. besiegelt wurde. Etwas weiter entfernt befindet sich der Salone Dugentesco, einst “Hospital” für die Pilger.
Genau in einem Hospital in Vercelli, dem Ospedale di Santa Brigida degli Scoti, hinterließ ein englischer sterbender Pilger Vercelli einen wertvollen, von Hand auf Pergament geschriebenen Codex – das ”Vercelli Book”, eine der berühmtesten Handschriften der Welt, die auf das 10. Jahrhundert zurückgeht und zur Gänze in alt - angelsächsischer Sprache verfasst ist. Dieser Codex wird in der Kapitelbibliothek Biblioteca Capitolare an der Piazza d’Angennes, am prestigeträchtigen Erzbischöflichen Palast Palazzo Arcivescovile aufbewahrt wird, in dem sich unter anderem des Domschatzmuseum Museo del Tesoro del Duomo befindet. Darin befinden sich eine wertvolle Sammlung an sakralen Gefäßen, Reliquien, Urnen von Heiligen und Kultobjekten. In der Nähe erhebt sich die Cattedrale di Sant’Eusebio (Kathedrale des Hl. Eusebius), in derem Inneren man ein wunderbares Silberkruzifik mit Goldelementen bewundern kann – das Größte der vier existierenden Kreuze aus der Zeit der Ottonen (Luidolfinger). An der Piazza S. Eusebio liegt auch das Seminar: Innenhof und Fassade wurden von Filippo Juvarra entworfen. Entlang der via Duomo erheben sich zahlreiche Palazzi, die im Besitze wichtiger Familien von Vercelli waren. Ganz am Anfang erblickt man die Santa Maria Maggiore (die erste in Vercelli errichtete Kirche – ihre Vorgängerin war zerstört und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in heutiger Form wieder aufgebaut worden). Ganz in der Nähe befindet sich das Schloss Castello Visconteo, heute Sitz des Gerichtes. In der nahen via Foa trifft man auf die wunderbare Synagoge, die Kirche Chiesa di San Giuliano (Hl. Julian) mit wertvollen Fresken aus dem 16. Jahrhundert und einen Teil der Casa Bicchieri.
In der via Borgogna hat das gleichnamige Museum Museo Borgogna, die zweitgrößte Pinakothek des Piemont, ihren Sitz. Neben dem neuklassischen Palazzo, der das Museum beherbergt, erhebt sich die Kirche Chiesa di San Francesco in Sant’Agnese, ein wichtiges gotisches Bauwerk, dessen Fassade in der Barockzeit umgebaut wurde. An der Piazza Palazzo Vecchio, die auch “Piazza dei pesci” (Fische) genannt wird, liegt der alte Broletto und der eindrückliche Turm Torre Comunale, der auf das 13. Jahrhundert zurückgeht. Von hier gelangt man zum alten “Forum Romanum”, welches auch heute noch das Herzstück der Stadt darstellt: Die elegante und harmonische Piazza Cavour, die von dem Turm Torre dell’Angelo aus dem 14. Jahrhundert beherrscht wird, ist von weitläufigen Laubengängen aus den folgenden Jahrhunderten umgeben. An dieser Piazza werden die NaturalVercelli, ein Markt mit biologischen Produkten (jeden ersten Samstag im Monat); der Barlafuss, d.h. ein Markt für kleine Gegenstände (jeden ersten Sonntag im Monat), der von Antiquitäten bis hin zu seltenen modernen Gegenständen alles bietet; und der Mercato cittadino (städtischer Markt - jeden Dienstag und Freitag) und weitere Veranstaltungen abgehalten. Der Corso Libertà ist die elegante Einkaufsstraße, die die Piazza Cugnolio mit der Piazza Pajetta verbindet und von einer Reihe von interessanten weltlichen und religiösen Gebäuden gesäumt wird: So z.B. von der Barockkirche Santa Chiara von Bernardino Vittone, der Kirche Chiesa del Santissimo Salvatore (Allerheiligster Retter), der Casa Centoris, berühmt für die Eleganz ihres Hofes aus dem 15. Jahrhundert im Bramante-Stil oder der Kirche Chiesa di San Lorenzo (Hl. Laurentius) mit elegantem Äußerem aus dem 18. Jahrhundert. In der via San Cristoforo erhebt sich die wundervolle Kirche Chiesa di San Cristoforo (Hl. Christophorus), welche Werke von unschätzbarem Wert beherbergt: Darunter z.B. ein Freskenzyklus von Gaudenzio Ferrari (La Pala della Madonna degli Aranci (das Altarbild der Madonna im Orangenhain, die Geschichte von Maria Magdalena, die Geschichte der Jungfrau Maria, die Kreuzigung Jesu und Mariä Himmelfahrt), eine elegante Balustrade nach einem Entwurf des Juvarra, ein hölzernes Kruzifix und acht Gemälde von Mayerle; wenn man in die via Vallotti einbiegt, erreicht man die Piazza del Municipio, wo man die Kirche Chiesa di San Paolo (Hl. Paulus – erbaut im XIII. Jahrhundert und im Laufe des 17. Jahrhunderts umgebaut) bewundern kann, die in ihrem Inneren zwei Gemälde von Lanino und eine Teoria dei Santi (Heiligenprozession) aus dem 14. Jahrhundert beherbergt. Die Kirche Chiesa di San Michele (Hl. Michael) zeigt ein Fresko von Lanino, ein mehrfarbiges hölzernes Kreuz und eine Einlegearbeit. Wenige Schritte entfernt befindet sich das Museo Leone, das historische Museum der Stadt, in dem die ältesten Urkunden aus der Gechichte von Vercelli aufbewahrt werden.
Entlang der Via Ferraris findet man neben zahlreichen Geschäften mit typischen Produkten und besonderen und außergewöhnlichen Gegenständen die original erhaltene Kirche Chiesa di San Bernardo, die auch als Santuario della Madonna degli Infermi bekannt ist: Das sakrale Gebäude ist in zwei Teile unterteilt: Der ältere Teil stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, der jüngere Teil wurde hingegen Ende des 19. Jahrhunderts nach einem Plan von Giuseppe Locarni im neoromanischen Stil errichtet.
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