Fontanetto Po - Vercelli in Piemonte
Dieser Ort ist ein wichtiges Zentrum and den Grenzen der Provinz Vercelli. Hier wurde der Musiker Giovan Battista Viotti (1755 – 1824) geboren. Der antike Ort, der seinen Namen von den zahlreichen Brunnen in diesem Gebiet ableitete, wurde, gemäß der Tradition, von den Benediktinermönchen von San Genuario von Lucedio im 9. Jahrhundert errichtet, um hier die Bevölkerung der so genannten durch die Invasion der Barbaren zerstörten antiken „Cestis“, die sich auf verschiedene Orte zerstreut hatte, zu versammeln. Der älteste Siedlungskern entstand fast sicher um die jetzige Kirche „ Chiesa di S. Sebastiano“, die bis zum 15. Jahrhundert „San Martino von Tours“ geweiht war und sich im Osten des besiedelten Zentrums befindet, wohin man gelangt, wenn man beim „Corso Massimo Montano“ links abbiegt und dann über die Piazza Garibaldi weitergeht. Diese Kirche geht auf das 9. Jahrhundert zurück, aber Umbauarbeiten haben sie in der Folge zu einem Schmuckstück der romanisch-gotischen Architektur von Vercelli gemacht. Die hüttenartige und von zwei Lisenen dreigeteilte Fassade hat den Anschein, im Inneren in drei Schiffe unterteilt zu sein. Über dem Eingang ist der Spitzbogen noch gut sichtbar, der leicht ausgeschmiegt und vor kurzem verändert wurde, um sich an das einfache Portal besser anzupassen. Entlang dem oberen Rahmen der Fassade, der umgebenden Mauern und der Apsis ist die charakteristische Dekoration mit kleinen hängenden verwobenen Bögen noch vollständig erhalten. Im Inneren besteht die Kirche aus einem einzelnen Schiff, mit in den 1950ern restauriertem Hängewerk an den Gewölben; an den Seitenwänden zahlreiche Fresken, die leider schlecht erhalten sind, und Theorien von Heiligen und Bilder der Jungfrau mit Kind darstellen; sie sind mit Mitte des 15. Jahrhunderts bis 16. Jahrhundert zu datieren. Viel jünger ist dagegen die kostbare Darstellung der Madonna, die an der rechten Seitenwand zu sehen ist: sie wurde in der Zeit des Krieges zwischen 1915 und 1918 von einem Soldaten, der hier zusammen mit seinen Kameraden in der kleinen Kirche Unterkunft fand, angefertigt.
Auf Initiative der Bürger von Fontanetto wurde ab 1928 „San Sebastiano“ zur Gebetsstätte des römischen Märtyrers „San Pancrazio“ (gest. 304), dessen Bildnis am 12. Mai in einer feierlichen Prozession herumgetragen wird. Überquert man auf der Rückkehr in Richtung Zentrum des Ortes noch einmal den „Corso Massimo Montano“, gelangt man in den Bereich des mittelalterlichen Freiortes, der durch die typischen symmetrischen Bauten nach dem „castramentum“ gekennzeichnet ist. Zwei Bogengänge bieten einen eindrucksvollen Spaziergang, bei dem man einige der wichtigsten religiösen Gebäude von Fontanetto Po zu sehen bekommt: rechts z. B. die Apostelkirche, die zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert im Barockstil erbaut wurde. Das große ovale Altarbild im Innenraum stellt die Heiligen Petrus und Paulus zu Füßen der Heiligen Jungfrau dar und trägt , hochgehalten von einem Engel, auch das Wappen der Adelsfamilie Negri, die die Patronanz über diese Kirche hatte. Weiter entlang der Via Viotti (wo sich das Geburtshaus von G. B. Viotti befindet, das durch eine Gedenktafel gekennzeichnet ist), findet man rechts die Kirche “Chiesa della SS. Trinità“ (der Heiligen Dreifaltigkeit) vor, wo der Sitz der Gemeinschaft „Compagnia della Concezione della Beata Vergine“ ist, eine Gemeinschaft von Gläubigen, die schon vor 1426 existierte.
Der Bau der Kirche wurde 1488 begonnen, aber schon 1523 kam es dank der Spenden von Gläubigen zu einer Vergrößerung des Gebäudes. Im Innenraum sind eine „Geburt Jesu“, die Guglielmo Caccia, auch Moncalvo genannt, zugeschrieben wird, und ein Bild auf Leinwand von Orsola Caccia, das die Heilige Ursula darstellt, zu sehen. Sehr interessant ist auch die Zusammenstellung der Skulpturen, die die „Die Abnahme Jesu vom Kreuz“ darstellen; dieser Skulpturenzyklus zählt zu den ersten der Kapellen des Sacro Monte von Varallo. Aus den Akten der Gemeinschaft lässt sich entnehmen, dass er 1568 von den Mitgliedern der Gemeinschaft nach einer Wallfahrt nach Varallo erworben wurde. Tatsächlich wurden die zehn Statuen zum Verkauf angeboten, nachdem sie von neuen Skulpturen ersetzt wurde. Neben der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit erhebt sich das antike „Collegio delle Orsoline“, das 1535 von Angela Merici in Mailand gegründet wurde. In Fontanetto trat die primitive Gemeinde der franziskanischen Tertiarier den neuen Regelungen der Merici 1560 bei, nahm aber erst 1634 bei der Heiligen Dreifaltigkeit Unterkunft. Vor der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit zeichnet sich das Jahrhundert ealte bürgerliche und religiöse Leben von Fontanetto ab. Die Pfarrkirche „ Parrocchiale di S. Martino“ wurde im normannischen Stil erbaut, nachdem 1011 der Ort in die Rechtssprechung Abtei von Frattuaria überging.
Es scheint fast so, als hätte der Abt von Frattuaria selbst den Bau ausgeführt, und nicht der Architekt Guglielmo da Volpino. Vom alten Bau ist noch der klangvolle Glockenturm mit einer Höhe von 56 Metern im romanisch-normannischen Stil erhalten. Er wurde bereits im 16. Jahrhundert restauriert, erhielt eine neue dekorierte Kassettendecke, die, vom Einsturz bedroht, 1793 durch ein Mauerwerk ersetzt wurde. Aus dem 16. Jahrhundert stammen auch die Fresken der Außendekorationen, deren Überreste noch entlang der Via Viotti sichtbar sind. Im Innenraum, der aus drei Schiffen besteht, kann man kostbare Einrichtungen aus Holz für die Messfeier aus dem 17. Jahrhundert bewundern: Eine Kanzel wurde auf Kosten der Gemeinde 1688 vom Bielleser Schnitzer Giovanni Antonio Aleggia gefertigt. Der Chorraum, der sich in der Apsis hinter dem Hochaltar aus dem 18. Jahrhundert befindet, besteht aus siebzehn Chorstühlen, elf davon stammen aus derselben Zeit wie die Kanzel und wurden von derselben Bielleser Schule von Fleggia und Tempia gefertigt, die anderen sechs wurden 1791 vom Handwerker Elia Giuseppe di Casale nach der Vergrößerung der Apsis infolge der Ersetzung des Hochaltars hinzugefügt. Der antike Altaraufbau aus bearbeitetem und geschnitztem Holz, der die Einrichtungsstücke zur Messfeier vervollständigte, und die von Pfarrer Nobile Ovis in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bestellt wurde, wurde 1787 zerstückelt, um durch den jetzigen ersetzt zu werden. Einige Paneele, die Szenen aus dem Alten und Neuen Testament darstellen, bilden die Grundlage für die Priesterbank. Von besonderem Wert ist schließlich im Inneren der Pfarrkirche das Kreuz, das traditionell als „Il Signore Grande“ („Der große Gott“) bezeichnet wird. Es wurde von der „Confraternita della Santa Croce“ am 7. November 1585 beim Handwerker Giovanni Francesco Biancardi von Trino in Auftrag gegeben. 1894 wurde es restauriert, dabei wurden vier Paneele an den Enden des Kreuzes hinzugefügt, welche Szenen aus der Passion darstellen und ebenfalls vom alten Hochaltar stammen. Geht man aus der Pfarrkirche hinaus und wieder die Via Viotti weiter, gelangt man zum letzten religiösen Gebäude auf diesem Weg: zur Kirche „Chiesa di S. Rocco“ aus dem Jahre 1759, die symbolisch am gegenüberliegenden Ende des Ortes von der Kirche „ Chiesa di S. Sebastiano“ liegt und so stellen die beiden ein fast perfektes Bollwerk zum Schutz vor der Pest und Viruskrankheiten, die im Gebiet von Vercelli in ferner Vergangenheit sehr verbreitet waren, dar.
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