Bianze' - Vercelli in Piemonte
Bianzè, bzw. in der Antike Blanzatum, hat seinen Namen von Blandius, Vorsteher einer römischen Siedlung, in der sich auch ein dem Jupiter, dem höchsten und größten Gott, geweihter Altar befand. Seine quadratische Anlage und der Graben kennzeichnen den antiken Mauerkreis und Basteien. Im Laufe der Jahrhunderte ging dieser Ort von einem Besitz in den anderen über, bis er 1631 ein Teil des Staates von Savoyen wurde. Von Bedeutung war sein Beitrag in den Unabhängigkeitskriegen, als 1859 das umliegende Land wie von einer Welle mitgerissen wurde, um eine Ankunft der österreichischen Truppen in Turin zu verhindern. Im 18. Jahrhundert gab es gut vierzehn Kirchen in Bianzè. Darunter auch die sehr alte und ziemlich wertvolle Pfarrkirche, die dem „Sant’Eusebio“, Bischof von Vercelli, geweiht ist. Sie ist in gotischem Stil gebaut und wurde mehrmals umgebaut; auf 1680-81 geht der Bau des Hauptschiffes zurück, auf 1776 der Chorraum, auf 1779 die Fassade, auf 1845 die Stuckarbeiten und Malereien. Im Inneren befinden sich drei Schiffe mit drei Altären, reich verziert mit wertvollem Marmor. Ende des 17. Jahrhunderts arbeiteten die Kunsthandwerker von Tempio di Mortigliengo sieben Jahre an der Kanzel, dem Taufbecken, der Sitzbank für die Priester, den Chorstühlen, den Anrichten für die Sakristei, dem Beichtstuhl der kleinen Sakristei und vielen Rahmen. Sehenswert ist der spätromanische Glockenturm, der 1685 wieder aufgebaut und restauriert wurde und dem auch die Funktion eines Wachturms zukam. In der Pfarrkirche sind zahlreiche Kunstwerke aufbewahrt, wie die restaurierte „Madonna del Suffragio“ und zwei heilige Bischöfe von Ottaviano Cane; vier Tafelbilder des „Defendente“ Ferrari, die den heiligen Gotthard, den heiligen Martin, die heilige Agata und die heilige Apollonia darstellen, die fast sicher die schützenden Flügel des großen Polyptychon von Bianzè darstellten, das sich jetzt im „Museo Borgogna“ von Vercelli befindet. Auch zu bewundern sind ein Tryptychon, das dem Kreis rund um die Giovenone zugeschrieben wird und eine Madonna mit Kind, „San Bernardino“ und noch eine weitere Person, die von der „Madonna di Tabbi“ stammt, darstellt, sowie ein weiteres Tryptychon, das aus der „Misericordia“ (Barmherzigkeit) von Ferrari stammt und die Pietà, „Sant’Antonio Abate“ und „Santa Lucia“ darstellt.
Nicht weit davon steht die Kirche „Chiesa di Santa Maria dei Tabbi“, die von der örtlichen Gemeinschaft der heiligen Sakramente (Compagnia del SS. Sacramento) 1625 mit Blöcken der alten Festung errichtet wurde. Dies geschah aufgrund einer Abstimmung der Bevölkerung von Bianzè, um von der Krankheit „tabe“ (= Schwindsucht) befreit zu werden. Diese Kirche hat sieben sehr schöne Altäre, die auf das 17. – 18. Jahrhundert zurückgehen und Geschenke von adeligen Familien des Ortes waren. Im Inneren sind auch zwei Leinwandgemälde aufbewahrt, die der Schule von Bernardino Lanino zugeschrieben werden und den heiligen Bernhard und die Grablegung Christis darstellen. Einen Besuch wert sind auch die Kirche „Chiesa della Confraternita della SS. Trinità“, die 1550 errichtet wurde und ursprünglich der „Assunzione di Maria“ geweiht war, sowie die Kirche „Chiesa della Natività di Maria“, die jetzt „Confraternita della Misericordia“ heißt und deren Inneres von drei kostbaren Altären geprägt wird, von denen der marmorne Hochaltar der Kirche des Konvents der Ursulinenschwestern entstammt, das 1801 zerstört wurde. Von 1611 an war dort das große Klausurkloster der Ursulinen der Gemeinschaft von Santa Angela Merici und wurde dann zum Gemeindepalais.
In seiner ersten Zeit wurde das Kloster von den Töchtern des berühmten Malers Guglielmo Caccia, auch Moncalvo genannt, geleitet. 1801 wurde es abgeschafft und das Gebäude wurde verkauft und 1860 für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Während die Fassade in der Zeit des Faschismus erneuert wurde, hat das Innere seine ursprünglichen architektonischen Merkmale erhalten. In der Ortschaft Carpeneto ist auf eine „Fattoria“ (Gutshof) hinzuweisen, der auch als „Castello“ bezeichnet wird und auf dem die Grundmauern und einige Überreste der antiken Pfarrkirche, deren Ursprung auf 1438 – 1458 zurückgeht, erhalten sind.
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